BMBF-Forschungsprojekt NamiRo (Zeitraum 2015-2017)

Hintergrund:

Mineralische Rohstoffe werden aufgrund ihrer Qualität gehandelt. Informationen zu Herkunft, Umständen der Förderung und Aufbereitung werden daher nicht generell in der Lieferkette kommuniziert bzw. gehen im Zuge der globalen Verarbeitung verloren. Für Unternehmen, die bei der Produktion hohe Ansprüche an Umwelt- und soziale Aspekte stellen, bedeutet dies einen Wettbewerbsnachteil, da diese Leistungen systembedingt wenig sichtbar sind und entsprechend nicht honoriert werden. Gerade bei den international gehandelten Rohstoffen kann dies zu Wettbewerbsverzerrungen führen und Umweltinnovationen bremsen.


Auf der anderen Seite fragen Endkunden verstärkt nachhaltige Produkte nach, Anleger sind auf der Suche nach nachhaltigen Geldanlagen und Unternehmen übernehmen Verantwortung für die gesamte Lieferkette ihrer Produkte. Aus diesem Grund fordern verschiedene Akteure entlang der Lieferkette zunehmend Informationen ein, inwieweit die Einhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten während der Gewinnung und Aufbereitung gewährleistet wird, um ihre Sorgfaltspflichten zu erfüllen. Entsprechend gibt es verschiedene Interessen, Markttransparenz zu fördern und Informationen zu Umwelt- und Sozialleistungen sichtbar zu machen. Diese Transparenz kann durch Standards gewährleistet werden, deren Einhaltung vom Unternehmen selbst oder durch Dritte nachprüfbar ist.


Bisher gibt es solche Standards im Bereich mineralischer Rohstoffe beispielsweise in Bezug auf die Konfliktfreiheit von einigen Rohstoffen, für ausgewählte hochwertige Rohstoffe wie Gold und Diamanten und auch für Baurohstoffe. Die Akzeptanz und Wirksamkeit eines solchen Siegels oder einer Standardinitiative ist an eine Vielzahl von Faktoren geknüpft.


Projektziel:
NamiRo steht für „nachhaltig gewonnene mineralische Rohstoffe". Ziel des Projektes ist es, ein Standardsystem für mineralische Rohstoffe zu entwickeln, das in der Lage ist, die Transparenz von Nachhaltigkeitsaspekten entlang der Lieferkette von mineralischen Rohstoffen zu erhöhen.


Unter Standardsystem verstehen wir dabei einerseits den eigentlichen Standard (ein Dokument mit konkreten Anforderungen) und die Trägerinitiative (die Art, wie bspw. die Einhaltung des Standards sichergestellt wird, die Finanzierung des Systems, Entscheidungsmechanismen usw.).


„Entwickeln“ bedeutet dabei nicht, der in den letzten Jahren deutlich angestiegenen Anzahl an Standardsystemen ein weiteres hinzuzufügen, sondern nach einer detaillierten Analyse der existierenden Systeme eine „Blaupause“ zu entwickeln, die darstellt, wie ein ideales System aussehen könnte:

  • welche Themen sind im Standarddokument möglichst abzudecken,
  • wie könnten diese abgedeckt werden, insbesondere auf welche existierenden Standards kann bei dem Thema oder auch nur Indikator zurückgegriffen werden und
  • wie sieht eine Trägerinitiative aus, die das System erfolgreich betreiben kann?

 

Die vertiefte Analyse und der möglichst weitgehende Rückgriff auf existierende Standards für die Entwicklung der Blaupause greift Ergebnisse aus dem projekteigenen Multi-Stakeholderprozess auf: die stark gestiegene Anzahl von Standardsetzungsinitiativen hat die Such- und Transaktionskosten für Unternehmen stark erhöht, so dass insbesondere ein Interesse an einer Übersicht und Konsolidierung besteht.


Im Zuge des Multi-Stakeholderprozesses werden dann insbesondere auch die Auswirkungen auf und Chancen der vielfältigen Stakeholder erfasst.